In den komplexen Informationsräumen mulitmedialer Systeme lassen sich folgende Problematiken ausmachen: die Unterscheidung von Qualität und Quantität durch den User. Die Komplexität der Informationsstrukturen. Die Intransparenz der Selektionsprozesse und die jeweilige Autorität oder Reputation der Quellen. Die diversen Informationsklassen und notwendigen Genrekenntnisse, der Datenschutz und die Dynamik der publizierten Informationen. Diese Spannungsfelder sollen im Folgenden etwas genauer erörtert werden:
Quantität und Qualität von Informationsangeboten im Internet: Die Quantität der heutigen Informationsangebote kann beim User zu Orientierungs- bzw. Navigationsproblemen führen. Die Komplexität und Verschiedenartigkeit von Informationsstrukturen, sowie die Diversität der Beziehungen zwischen den Systemteilen, erfordert auf Userseite nicht nur ein entsprechendes Maß an Medienkompetenz sondern es erfordert grundsätzlich neue Formen der persönlichen Selektionsmöglichkeiten, d.h., Filtermöglichkeiten, sprich Suchmaschinen. Suchmaschinen stellen auf Konsumentenseite einerseits einen Gewinn an Zeit dar. Andererseits sind die maschinellen bzw. technologischen Suchprozesse für den Endkonsumenten der Informationen in der Regel wenig bis gar nicht transparent.
Die Autoriät der Quelle: Da inzwischen jeder Nutzer des Internets Informationen anbieten, sprich als Content-Produzent beliebig und unter dem Aspekt der Qualität nahezu beliebige Inhalte einstellen kann, entsteht neben der Komplexität, das Problem der Autorität der Quelle. Besitzen Informanten, seien es professionelle Journalisten, Autoren oder private Blogger noch keine Reputation, sind Unternehmen noch ohne Rang und Namen, ist eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit bezüglich jedweder Informationen kaum oder gar nicht möglich.
Genrekenntnisse: Für das Verstehen von Informationen reichen nicht immer vorhandene Sachkenntnisse oder entsprechende Referenzen alleine aus. Für den Rezipienten einer Information und dessen diesbezügliches Verständnis zur Bewertung des Inhalts ist aber die Kenntnis von Bedeutung, von wem die Information vermittelt wird, warum (Absicht, Motiv) und wie (Visualisierung, Kontext, Sprache) diese mitgeteilt wird. Ist die Quelle bekannt, wie ist ihre Reputation, was ist die Absicht der Mitteilung, sind somit für den User relevante und zu beantwortende Fragen.
Informationsklassen: Es existieren eine Vielzahl von Informationsklassen die vom User unterschiedliche Beurteilungen und Bewertungen erfordern. Die oben erwähnten Genrekenntnisse für zum Beispiel kommerzielle Seiten, non-Profit-Seiten, News- und Informationsangebote, ideologische Seiten, Unterhaltungsangebote, Chat- und Newsgroups-Foren etc. müssen darum vom Konsumenten erarbeitet werden um Informationsklassen voneinander überhaupt unterscheiden zu können.
Dynamik publizierter Informationen: Für den User des Internets gibt es, aufgrund der hohen Dynamik publizierter Informationen, nur wenige effektive Kontrollmöglichkeiten sich einen Überblick über die Aktualität der vorhandenen Daten zu verschaffen. Der Aktualitätsgrad ist durch die technischen Möglichkeiten ungleich höher als in der realen Lebenswelt. Die gefundene Information kann somit bereits veraltet und überholt sein – im Zeitalter des Internets nur eine Frage weniger Minuten. Man vergleiche die Aktualität der Print-Nachrichten.
Datenschutz: In einem komplexen Informationsraum lassen sich nur schwer zufrieden stellende Lösungen für den Datenschutz bzw. die Sicherheit persönlicher Daten finden. Entsprechend schwerer ist es, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen, die den Nutzer dazu bewegen, an den Möglichkeiten der dem Internet innewohnenden Transaktionen zu partizipieren. Hinzu kommt die Problematik, dass keine international verbindliche Rechtssprechung für das multimediale System Internet existiert. Für den Kunden gibt es keine Garantie, dass seine Daten nicht gesammelt oder missbraucht werden. Datenschutz kann als Serviceleistung verstanden werden, wenn auch als eine zur Kundenbindung zwingend erforderliche. Garantierter Datenschutz bietet gleichzeitig Vertrauenswürdigkeit. Denn jeder halbwegs verantwortliche Netzbenutzer wird sich vergewissern wollen, ob die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs seiner Daten wirklich gering ist. Bisherige Ambitionen seitens der Betreiber, ständige Verbesserungen der Verschlüsselungs- oder Firewallprogramme haben bis heute nicht jedwedes Misstrauen der Nutzer eliminieren können. Immer noch gilt für manche User das Internet als eine undurchsichtige „Black Box“. Der User kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass seine Daten weder mühelos noch mit Bestimmtheit beim gewählten Empfänger ankommen. Er hat keine Einschätzung darüber, wie hoch die Zahl der anonymen Mittler ist, die seine Daten weiterleiten und Zugriff auf dieselben haben. Die Vertrauensstrukturen des Internets und somit des anonymen Gesellschaftsverkehrs, sind im Vergleich zu den über Jahrhunderte entwickelten des Postweges, noch befremdlich neue und wenig stark ausgebildete.